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Beispiel einer Spielstunde

In der folgenden Szene erleben wir das allererste Spiel einer neuen Rollenspielgruppe mit. Diese besteht aus den Spielern Stefan, Markus und Barbara. Der Spielleiter der Gruppe ist Alexander. Da es sich hier um das erste Spiel einer neuen Rollenspielgruppe handelt, haben sich die Spielfiguren der Spieler noch nicht kennen gelernt. Dieses Aufeinandertreffen ist daher auch der wichtigste Inhalt dieser Szene. Denn von ihm hängt es ab, warum und mit welcher Motivation die drei Spielfiguren ab da gemeinsam durch das Kosmische Netz reisen. Bei den Spielfiguren selbst handelt es sich um einen Söldner-Ork, der von Stefan gespielt wird, um einen zwergischen Einbrecher, dessen Rolle Markus übernimmt, und um eine menschliche Zauberin, die von Barbara dargestellt wird. Die weiteren Erlebnisse der Drei können Sie übrigens in unserem Einführungsregelbuch nachlesen, denn auch dort werden Sie uns dazu dienen, die Mechanismen des Rollenspiels zu erklären. Das Spiel beginnt, indem Alexander den Spielern erklärt, wo sich ihre Figuren gerade aufhalten:


Alexander, als Spielleiter: "Ihr alle drei befindet Euch in Rhem, einer für hiesige Verhältnisse großen und reichen Handelsstadt. Es ist ein schöner Sommertag, und, was für alle Einwohner noch wichtiger ist, Markttag. Auf dem größten Platz der Stadt, dem sogenannten "goldenen Flecken", reihen sich zahllose Stände von Händlern und Handwerkern dicht an dicht. Hier wird so gut wie alles verkauft: Seien es Lebensmittel, Werkzeuge, Schmuck, Waffen, Möbel oder Kleidung. Sogar einen Händler für magische Dinge aller Arten hat es heute hierher verschlagen, und nicht wenig Volk drängt sich an seinem Stand vorbei, um einen Blick auf seine Waren zu erhaschen. Auch wenn nur wenige Leute darunter sind, welche über die notwendigen Goldmünzen verfügen, um sich eines seiner zauberkräftigen Objekte auch leisten zu können. Zwischen all den Schau- und Kauflustigen wandert auch Ihr über den Markt, denn was gäbe es Besseres an einem solchen Tag zu tun, als nach günstigen Gelegenheiten Ausschau zu halten?"

Markus: "Das will ich meinen! Und so lenkt mein Zwerg seine Schritte zwar betont entspannt über den Platz, hält dabei aber insgeheim Ausschau nach Leuten, die besonders teure Dinge kaufen."

Alexander: "Heißt das, er will sich jetzt als Taschendieb betätigen?"

Markus: "Was für eine Unterstellung! Niemals würde er auf ein derart tiefes Niveau sinken. Er sucht sich lediglich ein bis zwei wohlhabende Personen aus, um diesen später nach Hause zu folgen. Und irgendwann in den nächsten Tagen wird er diese Häuser selbst aufsuchen, passenderweise dann, wenn niemand sonst zu Hause ist."

Alexander: "Ahaaa. In Ordnung, das kann Dein Zwerg natürlich machen. Es fällt ihm auch nicht weiter schwer, auf dem Marktplatz nach zahlungskräftigen Personen Ausschau zu halten. Dabei gelangt er früher oder später in die Nähe des Standes, an dem der magische Händler seine Geschäfte macht, denn hier werden mit die teuersten Waren des ganzen Marktes angeboten."

Markus: "Sehr schön! In dem Fall wird sich mein Zwerg den Rest des Tages in der Nähe dieses Standes aufhalten, und sich die Leute merken, die dort einkaufen. Früher oder später wird dort sicher jemand Passendes auftauchen."

Alexander: "Gut." Alexander wendet sich Stefan zu: "Und was macht Dein Söldner?"

Stefan: "Da sein Geldbeutel leider gerade ziemlich leer ist, wandert er zwar auch über den Markt und besichtigt die Stände. Nur kaufen kann er nichts. Aber dafür hält er mit einem Auge immer Ausschau nach Leuten, die ihm vielleicht einen Auftrag geben oder ihn gerne anheuern würden."

Alexander: "Und was macht er mit dem anderen Auge?"

Stefan: "Damit hält er natürlich Ausschau nach Taschendieben. Denn sein Geldbeutel ist zwar fast leer, aber eben nur fast."

Alexander: "Dann erzählt Dir einer der Marktbesucher, bei dem Du Dich nach Arbeit erkundigst, dass Du Dich vielleicht an Ternegg, den Händler magischer Gegenstände wenden solltest. Sein Wächter hat wohl vor zwei Tagen etwas Falsches gegessen, und liegt derzeit krank im Bett. Einen starken Ork wie Dich könnte er vielleicht ganz gut als Ersatz gebrauchen."

Stefan: "Dann dankt ihm mein Söldner für den guten Rat und begibt sich schnurstracks zu diesem Ternegg."

Alexander: "In Ordnung." Alexander dreht seinen Kopf zur letzten Spielerin am Tisch, und fragt Barbara: "Damit ist nur noch Deine Zauberin übrig. Wie möchte sie denn den Tag verbringen?"

Barbara: "Nun, als die gebildete Frau, die sie ist, wird sie sich an den verschiedenen Ständen des Marktes nach Dingen umsehen, die ihren Interessen entsprechen. Das heißt, dass sie zunächst mit den ganzen Kräutersuchern und Pflanzenhändlern sprechen wird, denn die Pflanzenkunde ist ja ihr Steckenpferd. Wenn sie allerdings von diesem Händler magischer Objekte erfährt, den es da geben soll, wird sie selbstverständlich auch seinem Stand einen Besuch abstatten. Viel erhofft sie sich nicht davon, denn mit Artefakten der hohen Magie wird ein Markthändler wohl kaum aufwarten können, aber vielleicht erlebt sie ja eine Überraschung?"

Alexander: "Deine Zauberin kann in der Tat mehrere Leute auf dem Markt finden, welche die geläufigsten, aber teilweise durchaus auch seltene Pflanzen und Kräuter anzubieten haben. Und nicht wenige von diesen sind gerne zu einem Plausch über die Eigenschaften ihrer Schätze bereit, sowie über die Mühe, die es bereitet, diese in der Wildnis zu finden. Da Du gezielt nach Kräuterhändlern suchst, und Dich hauptsächlich mit solchen unterhältst, dauert es eine ganze Weile, bevor Du von dem Stand mit den magischen Objekten erfährst. Aber schließlich erzählt Dir eine alte Kräutersucherin davon, denn sie hat gehört, dass der Inhaber dieses Standes angeblich auch Pflanzen mit magischen Eigenschaften zu verkaufen hat. Und sie meint, dass Dich solche vielleicht interessieren könnten."

Barbara: "Magische Pflanzen? Und ob ich mich dafür interessiere! Meine Zauberin dankt der alten Frau herzlich für diese Auskunft und begibt sich dann so schnell wie möglich zu diesem Stand."

Alexander, an alle Drei: "Der Stand des Zauberhändlers besteht aus einem großen Zelt, dessen weiße Planen mit eindrucksvollen blauen Runen bemalt wurden. Auf freiem Feld wäre es wohl kaum zu übersehen, aber in der Enge des Marktes verliert sich sogar dieses auffällige Gebilde. Unmittelbar hinter dem breiten Eingang steht ein hölzerner Verkaufstisch, auf dem allerlei seltsame und magisch wirkende Gegenstände ausgebreitet sind. Ringe mit magischen Symbolen, Ketten, deren Glieder die Form von Runen haben, allerlei kleine metallene Fläschchen und Tigelchen mit wundersamen Tinkturen und merkwürdigen Salben. Etwa anderthalb Schritte hinter dem Tisch trennen zwei Planen den hinteren Teil des Zeltes ab. Zwischen dieser Wand und dem Tisch steht der Besitzer des Standes, ein Zwerg mittleren Alters in einer eindrucksvollen Zauberrobe."

Stefan: "In welcher Reihenfolge kommen wir denn bei dem Zelt an?"

Alexander denkt kurz nach und antwortet dann: "Zuerst trifft Markus´ Einbrecher bei dem Stand ein. Er sieht ihn sich kurz an, und bleibt danach in unmittelbarer Nähe des Zeltes. Danach vergeht einige Zeit, bis Dein Söldner ankommt, und etwa fünf Minuten später trifft Barbaras Zauberin ein."

Stefan: "Sehr schön. Dann werde ich mir kurz die Dinge ansehen, die er zu verkaufen hat, und ihn dann ansprechen." Stefan räuspert sich kurz, dann wendet er sich in der Rolle seines Söldners an Alexander, in der Rolle des Händlers: "Seid gegrüßt. Ihr handelt mit sehr wertvollen Dingen, wie es mir scheint."

Alexander, als Händler: "Ja, das will ich wohl meinen. Bei Ternegg gibt es nur die beste Qualität, und diese hat natürlich ihren Preis. Aber wer würde denn auch minderwertige Magie kaufen wollen?"

Stefan, als Söldner: "Niemand natürlich. Aber leider gibt es auch immer wieder Leute, die die besten Waren für sich wollen, ohne überhaupt dafür zu bezahlen. Mein Schwert könnte Euch vor solch üblen Zeitgenossen schützen. Was meint Ihr dazu?"

Alexander, als Spielleiter: "Der Zwerg schätzt Dich ab und überlegt offensichtlich, was er Dir sagen soll. Doch bevor er zu einer Antwort kommt, tritt eine neue Kundin in das Zelt. Es handelt sich um eine menschliche Zauberin." Alexander nickt Barbara zu.

Barbara: "Gut. Dann wird sich diese zuerst die Dinge auf dem Tisch näher betrachten."

Alexander, als Händler, zu Stefans Söldner: "Lasst mich doch zunächst dieser edlen Dame behilflich sein, danach sprechen wir weiter, ja?" Alexander, als Spielleiter: "Der Zwerg dreht sich zu Deiner Zauberin um, Barbara, und spricht sie an: "Seid gegrüßt! Wie ich sehe, seid Ihr eine Meisterin der arkanen Künste. Wie kann ich Euch an diesem schönen Tag behilflich sein?"

Barbara, als Zauberin: "Seid mir ebenfalls gegrüßt, Meister Händler. Man sagte mir, dass Ihr nicht nur mit Artefakten, sondern auch mit magischen Pflanzen und Kräutern handelt. Wenn dem so ist, würde ich diese gerne einmal sehen."

Alexander, als Händler: "Da hat man Euch die Wahrheit berichtet. Ich besitze in der Tat allerlei zauberkräftige Blätter, Wurzeln und Blüten. Interessiert Ihr Euch für eine bestimmte Pflanze oder Zauberwirkung?"

Markus: "Mein Zwerg tritt näher an das Zelt heran, um mitzuhören, was darin besprochen wird. Und um ein Auge darauf zu haben, wieviel Geld ausgegeben wird."

Alexander, als Spielleiter zu Markus: "In Ordnung, das ist kein Problem."

Barbara, als Zauberin zu Alexander: "Nein, ich suche nichts Bestimmtes. Aber ich würde gerne einmal Euer Sortiment betrachten."

Alexander, als Händler: "Aber gerne doch. Ich verwahre die wirklich wertvollen Dinge hinten im Zelt. Wartet doch einen Augenblick, während ich sie für Euch hole." Alexander, als Spielleiter: "Der Zwerg dreht sich um, und tritt zwischen den beiden Zeltplanen hindurch, welche die Wand hinter ihm bilden. Nur einen Augenblick später hört Ihr einen überraschten und erschreckten Aufschrei des Händlers."

Stefan: "Ich ziehe mein Schwert und laufe ihm nach."

Barbara: "Ich folge dem Söldner, allerdings etwas vorsichtiger. Vielleicht hat es ja einen magischen Unfall gegeben. Würde meine Zauberin nicht wundern, bei dem ganzen Kram, den der Händler hier so lagert."

Markus: "Wenn ich höre, dass im hinteren Bereich des Zeltes etwas geschieht, gehe ich außen um dieses herum, um weiter mithören zu können."

Alexander, als Spielleiter: "Im hinteren Raum des Zeltes befinden sich in der Tat zahlreiche Behältnisse mit Waren und Gegenständen aller Art. Dazwischen steht der Händler mit schreckensbleichem Gesicht, denn ein schwerer Dolch befindet sich nur eine Handbreit von seiner Brust entfernt. Gehalten wird die Waffe von einem Menschen, dessen Kumpan gerade damit beschäftigt ist, alle möglichen Dinge in einen großen Sack zu packen. Ein frisch in die Zeltwand geschnittenes Loch zeigt überdeutlich, wie die beiden hierher gelangt sind."

Stefan: "Ich stoße einen Kriegsschrei aus und gehe zum Angriff über!"

Barbara: "Ich packe meinen Zauberstab fester und beginne damit, eine magische Formel zu wirken."

Alexander: "Der hintere der beiden Diebe lässt den Sack fallen, und flüchtet durch das Loch. Der vordere weicht ebenfalls zurück und will dem ersten vermutlich folgen."

Markus: "Da ich um das Zelt gegangen bin, stehe ich jetzt wahrscheinlich vor dem Loch?"

Alexander: "Das ist richtig."

Markus: "Dann stelle ich der ersten Person, die herausläuft, ein Bein."

Alexander: "Das kannst Du, und der eine der beiden Diebe fällt prompt auf die Nase. Als der andere sieht, dass der Fluchtweg versperrt ist, lässt er seinen Dolch fallen und ergibt sich lieber."

Stefan, als Söldner: "Was? Du feiger Wicht! Kämpfe gefälligst wie ein Mann!"

Alexander, als Dieb: "Ich ergebe mich! Bitte tut mir nichts!"

Stefan, als Söldner: "Für einen solchen Jammerlappen ist mir meine Klinge zu schade. Ruft die Büttel, sollen sie sich um diese beiden kümmern."

Alexander, als Spielleiter: "Und genau das geschieht dann auch. Nachdem die beiden Diebe in den Kerker geschafft wurden, bedankt sich der Händler vielmals bei Euch Dreien. Alexander, als Händler: "Ihr habt mich vor einem großen Verlust bewahrt. Das vergesse ich Euch nicht. Aber wie es mir scheinen will, seid Ihr alle recht wagemutig?"

Stefan, als Söldner: "Nun, ein paar Diebe schrecken mich jedenfalls nicht."

Markus und Barbara nicken zustimmend.

Alexander, als Händler: "Dann habe ich vielleicht eine Möglichkeit, um Euch für Eure Hilfe mit mehr als nur Worten zu danken. Denn wie Ihr ja wisst, handle ich auch mit magischen Pflanzen. Und da gibt es eine Pflanze, von der ich ausgesprochen gerne mehr in meinem Sortiment hätte. Nur wächst sie leider an einem gefährlichen Ort, und so ist sie fast nicht zu bekommen. Wenn Ihr mir aber die Ulawurzeln beschaffen würdet, würde ich Euch 10 Goldkronen für jede einzelne davon bezahlen."

Markus und Stefan gleichzeitig: "10 Goldkronen!?"

Barbara, als Zauberin: "Magische Wurzeln, sagtet Ihr? Das klingt ja sehr interessant."

Stefan, als Söldner: "Für 10 Goldkronen pro Stück werde ich Euch gerne so viele Wurzeln holen, wie Ihr wollt."

Markus, als Einbrecher: "Nicht so schnell. Wo genau sollen diese Wurzeln wachsen?"

Alexander, als Händler: "Das ist leider das Problem. So weit ich weiß wachsen sie nur in den Nebelsümpfen, und dort an eher steinigen, kargen Orten. Aber wenn Ihr Euch auf die Suche einlassen wollt, kann ich Euch ein Exemplar der Wurzel zeigen, und Euch auch ungefähr beschreiben, wo sie in den Sümpfen wachsen sollen."

Barbara, als Zauberin: "Die Nebelsümpfe? Das ist nun wirklich ein Ort für Wagemutige. Andererseits, wenn dort seltene magische Pflanzen wachsen, werde ich mich an einer solchen Reise beteiligen."

Stefan, als Söldner: "Ein wenig Nebel schreckt mich nicht, und ebenso wenig ein Sumpf. Von mir aus können wir morgen früh aufbrechen."

Markus, als Einbrecher: "Eigentlich hätte ich ja noch Geschäfte in Rhem zu erledigen. Andererseits, bei 10 Goldstücken pro Wurzel hört sich dieses Unterfangen durchaus profitabel an. Und mit einer Zauberin und einem guten Kämpfer an der Seite sollte es machbar sein. Wenn Ihr nichts dagegen habt, werde ich mich Euch also anschließen."

Alexander, als Händler: "Sehr gut! Wenn Ihr die Ulawurzeln findet, werdet Ihr Euren Entschluss nicht bereuen. Und heute Abend seid Ihr natürlich meine Gäste, ich werde Euch bewirten, wie es den Rettern meines Geschäftes zusteht."

Und so machen sich die Drei in den nächsten Tagen in Richtung der Nebelsümpfe auf, wo sie das richtige Abenteuer erst erwartet. Wenn Sie wissen möchten, was Ihnen dort wiederfährt, so können Sie dies in unserem Einführungsregelbuch nachlesen. Denn darin werden anhand der weiteren Geschichte der Drei die Spielregeln des Kosmischen Netzes erklärt.

Wenn Sie nun mehr über "Das Kosmische Netz" erfahren möchten, lesen Sie hier weiter.

 

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